Huawei Pura X: Breites Foldable mit ungewöhnlichem Format 16:10-OLED-Innendisplay, Kirin 9020, HarmonyOS Next
Das Huawei Pura X überzeugt durch einen neuen Foldable-Formfaktor im 16:10-Format, gute Kameraausstattung und starke Ladeleistung. HarmonyOS Next bietet zwar technische Fortschritte, schränkt jedoch die App-Verfügbarkeit massiv ein.

Mit dem Huawei Pura X wird ein weiterer Versuch unternommen, die Formfaktor-Grenzen faltbarer Smartphones neu zu definieren. Statt auf ein langgezogenes, vertikal orientiertes Innen-Display wie bei klassischen Flip-Modellen setzt Huawei auf ein breites 16:10-OLED-Panel, das im aufgeklappten Zustand an ein kompaktes Tablet erinnert. Technisch interessant, softwareseitig jedoch mit klaren Einschränkungen versehen.
16:10 – ein Format, das auffällt
Im Inneren verbaut Huawei ein 6,3 Zoll großes LTPO-OLED-Display mit einer Auflösung von 2.120 × 1.320 Pixeln. Die dynamische Bildwiederholrate von 1 bis 120 Hz, 300 Hz Touch-Abtastrate sowie ein PWM-Dimming mit 1.440 Hz unterstreichen die Ambitionen im Bereich Darstellung und Bedienkomfort. Außen kommt ein 3,5 Zoll OLED-Panel (980 × 980 Pixel) mit ähnlicher Technik zum Einsatz. Der Unterschied zu bisherigen Flip-Foldables liegt vor allem im Format: Das 16:10-Seitenverhältnis erlaubt breitere Inhalte, was beim Medienkonsum oder Multitasking Vorteile bringt.
Hardware und Ausstattung
Die verbauten Komponenten sind typisch für ein aktuelles Oberklasse-Smartphone: 12 GB RAM und 256/512 GB Speicher in der Standardausführung, in der Collector’s Edition sogar bis zu 16 GB RAM und 1 TB Speicher. Als SoC kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kirin 9020 zum Einsatz, der bereits im Huawei Mate 70 Pro genutzt wird. Der 4.720-mAh-Akku kann kabelgebunden mit 66 W und drahtlos mit 40 W geladen werden. Reverse Wireless Charging ist mit 7,5 W ebenfalls möglich.
Zur Schnittstellenausstattung gehören Wi-Fi 7, Bluetooth 5.2, USB-C, NFC und GPS, bei der Sonderedition auch Satellitenkommunikation – allerdings regional beschränkt auf China. Der Schutz gegen Wasser erfolgt gemäß IPX8.
Kamerasystem mit Fokus auf Vielseitigkeit
Für ein Foldable ungewöhnlich umfangreich fällt das Kameramodul aus: 50 MP Hauptkamera mit OIS, 40 MP Ultraweitwinkel und 8 MP Teleobjektiv mit 3,5-fachem optischen sowie 30-fachem digitalen Zoom. Ergänzt wird das Setup durch eine 10,7 MP Frontkamera, wobei durch das Klappdesign auch die Hauptkamera für Selfies genutzt werden kann.
HarmonyOS Next: Kein Android mehr – mit Folgen
Softwareseitig wird das Pura X mit HarmonyOS 5.0.1 ausgeliefert, hinter dem sich erstmals HarmonyOS Next verbirgt. Anders als frühere Versionen basiert dieses System nicht mehr auf AOSP/Android. Laut Huawei soll dies zu einer höheren Effizienz führen. In der Praxis bedeutet das allerdings auch Inkompatibilität mit vielen Android-Apps, darunter auch populäre Drittanbieter-Apps wie Microsoft 365, Spotify oder Apple Music. Nur über die Huawei App Gallery lassen sich Anwendungen installieren – mit Einschränkungen bei Verfügbarkeit und Funktionalität.
Zudem ist der Datenaustausch mit anderen Geräten deutlich eingeschränkt. Ein App-Wechsel oder parallele Nutzung klassischer Android-Dienste ist im Gegensatz zu bisherigen HarmonyOS-Versionen nicht mehr möglich.
Einschätzung
Das Huawei Pura X bietet eine interessante technische Grundlage mit einem ungewöhnlich breiten 16:10-Innendisplay, einem ausgereiften Kamerasystem und hoher Ladeleistung. Die Designentscheidung ist nachvollziehbar, insbesondere für Nutzer, die mehr Fläche im Querformat benötigen. Dennoch bleibt die Frage offen, ob ein Gerät ohne Zugang zum Android-Ökosystem außerhalb Chinas konkurrenzfähig sein kann.
Der Verzicht auf Android bringt spürbare Einschränkungen im Alltag, insbesondere beim App-Angebot und der Interoperabilität. Die Hardware wirkt solide, das Software-Ökosystem dagegen stark limitiert – zumindest für Nutzer mit westlicher App-Infrastruktur.
Wie steht ihr zu einem Foldable mit breitem Display, aber eingeschränkter App-Auswahl? Ist das ein vertretbarer Kompromiss?